Pressetext (PDF)
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Fotos von Ingo Pertramer
Albumcover von Klaus Mitter & Ingo Pertramer
Honorarfrei zum Druck freigegeben bei Namensnennung
Auf der Flucht vor den inneren Dämonen: Kreisky ist Österreichs gefährlichste Rockband. Die nervöse Aggressivität ihres neuen Albums konterkariert die neue Innerlichkeit des Deutschpop [...] Schmutzige Wäsche wird in diesen Stücken viel gewaschen, dargeboten allerdings nicht als Privatangelegenheit, sondern als Symptom einer allumfassenden Korruption des Gefühlslebens, als Unmöglichkeit, sich unter heutigen Bedingungen noch authentisch zu begegnen. "Ich schlafe jede Nacht meine acht, neun Stunden. Ich leuchte, das sagen alle, wie zu meiner hellsten Zeit. Und du wirst es nicht glauben, aber seit du fort bist, ist mein Asthma so gut wie verschwunden." Kreisky können aus einem solchen Nichts einen Song machen, der in seiner Aussagekraft die gestellte Empfindsamkeit gängiger Songformate bei weitem übertrifft."Und du hast hundertmal gesagt, dass du okay bist. Und auch hundertmal, dass ich okay bin. Aber gemeint hast du, dass du so richtig okay bist, und ich bin nur so halbwegs okay." Kann man es einfacher, klarer, schärfer sagen? Mit Kreisky könnte die deutschsprachige Rockmusik wieder aus der Falle der Belanglosigkeit herausfinden. Ihre Kunst, ihre Kunst, ihre große Kunst.
Richard Kämmerlings, F.A.Z., 12. 05. 2009
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Kreisky, das 2005 gegründete Quartett aus Wien, macht Musik, als würden sich 80er-Jahre-Schnösel Falco und Hamburgs Avantgarde-Punker Die Goldenen Zitronen zur Gruppentherapie treffen. Sätze wie Handkantenschläge, schroffe Klänge aus Gesang, Gitarre, Bass, Orgel und Schlagzeug. Die Texte von Franz Adrian Wenzl besitzen, ob sie nun privat oder gesellschaftlich angesiedelt sind, politischen Charakter, sie sind unbequem, scharf, verstörend. Das lyrische Ich ist da eine Art Sozial-Phobiker, der aufgrund seines Außenseiter-Daseins die Wirklichkeit doch viel exakter zu sezieren vermag.
Hamburger Abendblatt, 26. 05. 2009
Sperrigsein, Maulaufmachen, Gegenhalten, auch wenn die Gegner nicht mehr so klar und sichtbar sind, das tut not und gut. Sich nach einem Politiker benennen, wirkt erstmal doof, aber Obacht, auch Kohl könnte schocken, wobei im Vergleich Brandt passender wäre. Frühe Blumfeld und spätere Goldene Zitronen können bekanntlich auch nicht schaden. Der Rucksack ist geschnürt. Da wo Ja,Panik dann doch die Kurve in Richtung Pop bekommen, sind Kreisky unzugänglicher und herausvordernder. Auch wenn das manchmal sehr nah an die Orientierungspunkte heranreicht ("Geladene Gewehre"), der Verdienst ist das Hindernis, das No. Genau genommen toll. Also, ich bin dabei.
Christoph Jacke, De:Bug
Beyond their particularly dry tone, Kreisky set themselves apart within the German music scene via their distinctly Austrian/Viennese character. [...] Their sarcasm is withering and unending, so intense that it can be felt without understanding the language. The relentlessly dissonant instrumentation and lead singer/organist Franz Adrian Wenzl's atonal, mocking whine make Kreisky something like an Austrian Fugazi.
Benjamin Bartlett Sigerson, splicetoday.com
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gesamter Artikel "The Un-Romance Language"
[...] Wichtiger ist es aber ohnehin zu erwähnen, dass die in Wien ansässigen KREISKY auf ihrem zweiten Album wirklich großen, wirklich geilen Krach produzieren, aufgenommen bei und mit FUZZMAN Herwig Zamernik in Klagenfurt. Schräge Gitarren, wüster Sound, Gesang, der meist eher gesprochen, oft auch geschrien daherkommt. Die feindurchdachten, ausgefeilten, gerne auch verstörenden Texte aus der Feder des Herren Wenzl werden zwar in Schriftdeutsch vorgetragen, oft lässt sich aber eine typisch österreichische Sprachfärbung heraushören, was vielen Bands eher schadet, denn über die Grenze bringt, in diesem Fall aber Charme hat und sich ebenso wie die Orgel wunderbar in das Gesamtwerk beziehungsweise den restlichen Krach einfügt (9/10)
H.C. Roth, Ox-Fazine
So einen monströsen Wall of Sound, so eine Ich-trete-dir-in-den-Bauch-Gitarre muss man erst mal hinkriegen. Drei, vier Tracks zu Beginn des Albums lang. Das ist schon eine mittlere Lawine, die da auf uns zurollt. Die Band mit dem legendären SPÖ-Kanzler im Namen hat ein Monstrum von zweitem Album gemacht, das ungefähr so wertvoll wie das erste Album einer Band namens Blumfeld ist, weil es die aktuellsten Nachrichten aus einer gestörten Welt sendet. Kreisky spielen den Talking Blues der Ratlosen und Sinnzerfetzenden mit dem Instrumentarium des Post Punk, sie haben den Sound der Zielgruppe "Feel No Good" neu entdeckt. Preis für die Lyrics der Woche: "ich habe Angst vor zu klugen Leuten, und oft hab ich Angst, der Teufel zu sein, und ich habe Angst, dass das Fernsehen doch nicht lügt."
Frank Sawatzki, Musikexpress, 05/2009
Man könnte eine Menge Klischees auffahren, um Kreiskys Musik zu erklären. Man könnte vom Bösen reden, das offensichtlich doch im eigentlich so nonchalanten Wien zu Hause zu sein scheint, von roher Wut, wie man sie so explizit zuletzt von Unsane bekam, von dieser verwirrenden Melange aus Austro-Zungenschlag und unbarmherzigem Noise.
Aber all das verblasst hinter einem großen und unverhofften Wow! Diese Platte namens "Meine Schuld ..." ist nicht nur beneidenswert gut betitelt, sie besitzt auch wunderbare Texte, die Blumfeld und Die Goldenen Zitronen in die Niedertracht hinabführen, und einen Rock, der Surrogat und Naked Lunch mit diversen amerikanischen Postcore-Helden bekannt macht und aufzeigt, was Konsequenz im Rahmen dieses Stils tatsächlich bedeutet.
Christian Steinbrink, intro.de
Kreiskys zweites Werk ist wie ein Schlag in die Magengrube der österreichischen Gemütlichkeit. Mit Gitarrenwuts, übellaunigem Bass und Jammerorgel prangern sie an, was es anzuprangern gilt: Neid, Missgunst, Oberflächlichkeit. Adrian Wenzel, auch bekannt als Austrofred, singt dazu mit Falco'scher Arroganz seine Texte - und die sind tiefironische Meisterwerke für sich. Das Gesprächsthema auf einer Party ist der Dow Jones, Magersüchtige verteilen Schokolade, der Italienurlaub wird zur Katastrophe, und der Exfreundin wird erzählt: "Du wirst es mir nicht glauben, aber seit du fort bist, ist mein Asthma weg." Und trotz des katholischen Albumtitels wird hier keine Absolution erteilt. Das Werk, produziert von Naked-Lunch-Bassist Herwig Zamernik, nämlich endet mit "Alle Menschen sind schlecht". Ein bitterböser Brocken von Platte, den Kreisky uns hier aufbürden. Sie machen es uns damit nicht leicht - aber das verdammt gut.
kulturnews.de
Ab der ersten Sekunde poltern Schlagzeug, Gitarre, Orgel und Bass um die Wette, dass es einem nur so Rückgrat bricht. Die Band um Sänger Franz Wenzl hat anscheinend noch einiges an Fahrt dazu gewonnen seit dem selbstbetitelten Vorgänger und das steht der Band bildhübsch zu Gesicht. Nichts desto trotz mangelt es der Musik nicht an eingängigen Melodien und den geliebten zuckenden Gitarrenriffs. Das hier ist nichts anderes als Rock/Pop, aber eben um einiges intensiver und kreativer, als man es normalerweise gewöhnt ist - Die guten Österreicher halt wieder, dieses Land ist eine Goldgrube.
www.mainstage.de
Auf den Boden der Tatsachen holen einen dann Kreisky zurück. Die versehen Post Punk mit österreichischem Dialekt und klingen dabei so herrlich schräg, dass man auf der Stelle seine Gitarre aus dem fünften Stock schleudern möchte. Die zerberstende Fensterscheibe bietet die ultimative Szenerie für Tracks, wie „Die dummen Schweine“. Atemlose Gitarrenriffs schälen sich in die Gehörgänge. Die Texte wirken, als wollten sie sich als österreichische Alternative zu Art Brut empfehlen. Oder als die offiziellen Nachfolger von den schmerzlich vermissten Surrogat. „Was ist denn das für eine Party? Was macht denn das für einen Sinn? Geladene Gäste, geladene Gewehre. Und bitte, weswegen knurrt der Hund?“ heißt es in „Geladene Gewehre“. Hier scheint die Musik von Jens Rachut ihre Spuren hinterlassen zu haben. Dennoch wollen Kreisky immer lieber Pop als Punk sein. Und steuern mit ihrer Karre geradewegs auf den Erfolgs-Highway zu. „Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld“ ist ein gelungener, zehnteiliger Songzyklus von einer aufstrebenden Combo, die man (er)hören wird. Ob sie nun will oder nicht.
alexander nickel-hopfengart, www.zuckerkick.de
So klingt es, wenn man panischen Subjekten in der Krise eine Gitarre umhängt. „Wir haben keinen Plan!“ heißt es ganz richtig bereits im ersten Stück „Die Motoren“. Die überspannte Aggresivität erinnert ein wenig an die Texte Jens Rachuts oder die ganz, ganz frühen Blumfeld. Dazu die passende Musik. Die ist hektisch und schrammt immer nahe an der Grenze zum Krach entlang. Das haut gut rein. Jesus Lizard lassen grüßen. Sowas kann man vielleicht nur live einspielen – was ausweislich des Booklets auch getan wurde. Kreisky ist keine Band für sonnige Tage im Freibad. Und freilich, die Masche, Banalitäten ins Absurde kippen zu lassen und entsprechend aggressiv vorzuführen, ist nicht völlig neu. Aber weil es so erschreckend gut in diese Zeit passt, ist „Meine Schuld...“ die vielleicht erste relevante deutschsprachige Platte des ja auch nicht mehr taufrischen Jahres.
Tobias Ullersperger, Xaver.de
Mein Grant, mein Grant, mein übergroßer Grant. Kreisky gießen auf ihrem zweiten Album die Schalen des Zorns aus. Machtfantasien von verbal Amok laufenden Nerds ("Die dummen Schweine"), trotzige Abgesänge auf ehemalige, eh immer kaputt gewesene Beziehungen ("Asthma") - das Quartett führt in eine Welt, in der es schöne Zähne gibt, damit man sie einschlagen kann. Texter und Sänger Franz Adrian Wenzl leiht den Benachteiligten, den zu kurz Gekommenen seine Stimme. Und zu kurz gekommen, darüber lassen Kreisky keine Zweifel aufkommen, sind wir alle. Wenzl ist bekanntlich Polystilist. Seit Jahren gibt er die Kunstfigur Austrofred, die man nicht unterschätzen darf, verbirgt sich hinter dem aufgeklebten Schnauzbart und der Schmähführerei doch ein dunkler Geselle, ein veritabler Herr Karl. Mit Austrofred belegt Wenzl die alte Annahme, dass, wenn wir Österreicher überhaupt irgendwo Weltmeister sind, dann in der Selbsttäuschung. Kreisky poliert die andere Seite der österreichischen Mentalitäts medaille. Dort wo Selbsttäuschung nicht mehr funktioniert, bleibt nur mehr die nackte, kalte Misanthropie. Ein gleichermaßen kaltes wie heißes Album somit, im ruppigen Rockkleid. Eine beachtliche Platte.
Bertl Grisser, Freistil
Es kommt einem vor, als wäre die Zeit stehengeblieben, wenn man sich das zweite Album von Kreisky zu Gemüte führt. Nein, keine Gefahr von Seventies-Revival oder ähnlichem; nur zwei Jahre rewind, so mutet es an, von den ersten Takten bis zum letzten Akkord. Ziemlich deckungsgleich kommt „Meine Schuld, Meine Schuld, Meine Große Schuld“ daher – ein Glücksfall, wenn man bedenkt, welch nachhaltige Auswirkungen das Debüt vor eben zwei Jahren auslöste. Die vierköpfige Wiener Band ist ihren Prinzipien treu geblieben und eigentlich war auch nichts anderes zu erwarten. Zehn Songs voller Hass, detaillierter Beschreibung diverser Abartigkeiten und menschlicher Abgründe – kurzum: Kreisky dürften mit dieser Platte erneut Kritiker wie auch Anhänger rundum zufrieden stellen. Donnernde Bassläufe und kreischende, meist verzerrte Gitarrenriffs dominieren das Feld. Und das ist gut so, denn da gibt es ja auch noch die feinen, noch eine Spur bösartigeren Midtempostücke wie „Feinde“ oder „Die Menschen sind schlecht“, letztes treibend wie jeder gute langsame Rocker der Doors. Schlechte Menschen, abgestürzte Flugzeuge, Feindschaftsversprechen – es möge so weitergehen.
Thomas Hochwarter, www.britishrock.cc
„Wir haben Hunger, und wir haben keinen Plan!“. Ja, das haben Sie wirklich, die vier Wahl-Wiener um Franz Adrian Wenzl haben Hunger auf laute Klänge, unbändige Gitarrenriffs und zornigem Gesang, der oft nahtlos in ein Schreien übergeht. Einen Plan haben KREISKY aber allemal. Und nicht den schlechtesten: Auf dem zweiten Album, das in knappen zwei Wochen beim NAKED-LUNCH-Gitarristen FUZZMAN in Klagenfurt eingespielt wurde, stimmt alles. In 45 Minuten fliegen den HörerInnen die zehn Songs von „Meine Schuld, Meine Schuld, meine Grosse Schuld“ sowas von um die Ohren, das es eine helle Freude ist. [...] Da ist die Rede von Geladenen Gewehren, Dummen Schweinen und so schönen Zähnen. KREISKY haben natürlich auch tagesaktuelle Themen auf ihrem Album nicht vergessen: So wird auch der Dow Jones bezwungen. Die Songs „Glitzer“ und „Auf Ledersitze weint man nicht“ sind die herausragensten Nummern des Albums. [...] Nach öfteren Hören von „Meiner Schuld, Meiner Schuld, Meiner grossen Schuld“ bin ich mir mehr als nur sicher, dass diesem Meisterwerk mehr Menschen als nur ein lachender Dritter zuhören werden. (10/10)
Mäx Egger, slam-zine
Dem Unbehagen schauen Kreisky auf dem Album "Meine Schuld..." direkt in die Fresse. Grantiger als auf dem Vorgänger schreit sich Franz Adrian Wenzl Wut ("Die dummen Schweine", "Geladene Gewehre") und Schuldgefühle ("Glitzer") von der Seele, den dreckigen Zerrspiegel menschlicher Befindlichkeiten stets in der Hand. Nahe am Lärm bauen seine Bankollegen die Musik als stets treibende Gewalt, werfen sich mit Schwund ins musikalische Fegefeuer. Erkenntnis am Ende: "Die Menschen sind schlecht." Das Album , das sie darüber geschrieben haben ist hingegen sehr gut!
Kronen Zeitung (Stmk), 16. 04. 2009
Was für ein Albumtitel: „Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld“ heißt das zweite Werk der (Exil-)Wiener Kreisky. Katholische Urthemen, eine große Portion Grant, dazu der an das versnobte Wienerisch eines Falco angelehnte Duktus und natürlich der Bandname – das ergibt intelligenten, lärmigen Gitarrenrock mit österreichischer Prägung, der von der heimischen Presse auch entsprechend gelobt wird. Wie eine geladene Pistole kommt die Musik von Kreisky live daher, allen voran Sänger Franz Adrian Wenzl, der kurz nach seinem Auftritt mit den Kings of Japan einmal mehr seine große Wandlungsfähigkeit beweist. Seine Band Kreisky hätte sich jedenfalls auch in Deutschland ähnliche Aufmerksamkeit wie „Ja, Panik!“ und Gustav verdient.
Kleine Zeitung, 19. 04. 2009
Kreiskys Musik ist ein dissonanter Brocken, nahe am Lärm gebauter und dicht gewobener Rock, der in Ausnahmefällen aber auch lässiges Grooven zulässt. Mit dem Punk verwandte Zweieinhalbminüter stehen neben quälenden Neun-Minuten-Epen. Das Beste an Kreisky sind aber Franz Adrian Wenzls Texte. Frei von jeglichem Versmaß singt er über Unzufriedenheit, Wut und Selbstanklage. Gift und Galle spuckt er und liefert mehr als nur einen grandiosen Vierzeiler für Poesiebücher der Generation Dreißig plus. Einzureihen unter: Ein aufwühlendes Abenteuer mit läuternder Wirkung.
Gerhard Stöger, now!
Keine Absolution hier // Song zum Sonntag: Kreisky – „Glitzer"
Der Traumurlaub wird zum Albptraumurlaub, zur Endstation einer Beziehung: Klingt nach gebrochener Idylle à la Liedermacher, na ja, hatten wir schon. Franz Adrian Wenzl, der Sänger der (ober-)österreichischen Band Kreisky macht daraus mehr: einen bitteren Roadsong, rasch, aber mürrisch. Drei Stationen einer finalen Reise. Stau, Streit, Panne. Endlich wird der Erzähler von „glitzerndem Zeug“ – Niederschlag eines idiotischen Karnevals – zugeschüttet, in den Augen, in den Ohren, in der Nase, im Hirn“, worauf er in eine quasi-katholische Litanei verfällt: „Es ist meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld…“ Vor lauter Grant kreischend, mit gnadenlos wienerischen Zwielauten. Eine aggressive Zerknirschung, auf die keine Absolution folgen kann. Oder doch? Der letzte Gitarrenton klingt freundlich, im Gegensatz zu allen davor. „Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld“ heißt das zweite Album von Kreisky: zehn teils geniale Songs über schlechte Laune in einer üblen Gegend.
Thomas Kramar, Die Presse
So toll kann Rock aus Österreich klingen: Dieses Album klingt, als hätte man mit der Flinte auf ein FM4 spielendes Radio geschossen und die Trümmer neu zusammengesetzt – und trotzdem nach Pop.
Guido Tartarotti, Kurier
Stil ist nicht alles, aber wichtig. Vor allem in einem Genre, das sich zu einem Großteil über Oberflächlichkeiten definiert. In dem Zuordnung weitreichend via Klischee funktionieren und zu funktionieren haben. Stil oder der Bruch mit einem solchen, ist, wenn auch schon keine neue Kunst, dann aber doch ein Beleg dafür, dass jemand einen Unterschied machen möchte. Oder zumindest in der Lage ist, einmal ums Eck zu denken. Im Pop, und davon ist hier die Rede, schafft sogar derart niederschwellige Subtilität schon erhöhte Aufmerksamkeit.
Die Band Kreisky, ein Vierer von Exilwienern, tritt in Anzug und Krawatte auf. Insofern ein Stilbruch, als die Musik, die diese Boy Group macht, eher Assoziationen zu zerrissen Jeanshosen, angeschnäutzten T-Shirts und löchrigen Socken, die aus den Turnschuhen schielen, hervorruft.
Die nach dem einstigen politischen Sonnenkönig unseres Kleinstaats benannte Band stellte am Wochenende im ausverkauften Flex ihr neues Album Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld live vor. Schon der verklemmt-katholische Titel klingt zutiefst österreichisch, lässt an Provinzmief, an geile Kirchdiener, nägelbeißende Ministranten und Pfarrerssöhne mit psychosozialen Defiziten und engstehenden Augen denken.
Die deutschen Texte von Franz Adrian Wenzl - auch bekannt als Austro-Fred, also der fleischgewordenen Schnittmenge aus Austro-Pop und Freddie Mercury - sezieren alltägliche Schuld-und-Sühne-Szenarien mit angewiderten bis höhnischen Texten. Live verfällt Wenzel dabei gern in den pikierten Tonfall eines Falco. Ein Kunstgriff (?), der den Ekel vor und die Faszination an den Sujets brillant umgesetzt auf den Punkt bringt. Das Album endet konsequent mit dem Titel Die Menschen sind schlecht.
Der Weg dorthin ist gepflastert mit Betrachtungen über Die dummen Schweine, den Dow Jones oder Feinde. Klare Worte, die formal auf eine Art umgesetzt werden, die keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihrer Botschafter aufkommen lassen. Mit harten, knappen Gitarrenriffs, gewaltbereitem Bass und schlechtgelauntem Schlagzeug wird mit einer aus dem US-amerikanischen Hardcore bezogenen Stop-and-go-Ästhetik ein unwirscher, dramatischer und gegen den Strich gebürsteter Blues-Punk gespielt, der in Stücken wie Geladene Gewehre auch im "Slide"-Stil daherkommen kann. Für Die dummen Schweine ist unterkühlter Disco-Beat recht. Dazu drückt Wenzel stellenweise die Orgeltasten.
Live wie auf Platte ergibt das eine explosive Mischung, die ohne schöntuerische Zugeständnisse an alternatives Formatradio oder aktuelle Moden und Trends mit dem Kopf durch die Wand will. Weniger, um irgendjemanden von der Richtigkeit der eigenen Weltsicht zu überzeugen, sondern einfach um von den Deppen und Feinden wegzukommen.
Schon mit dem titellosen Debüt (2007) manifestierte sich, dass mit Kreisky eine neue Kraft aufgetaucht ist, die Wort und Musik im heimischen Pop auf ein neues Niveau bringt. Meine Schuld ... untermauert diese Einschätzung nachdrücklich. Mit Wut, mit Druck, mit Schmäh. Mit Stil - und seinem Bruch.
Karl Fluch, Der Standard
[...] selten gelingt es, so clevere Texte zu schreiben, die sich mit einem Gemisch aus Wahrheit, Größenwahn und Fantasie hochschaukeln. Gepaart mit der noch härteren, roheren Musik ist es wie ein Hammer, der wild durch die Gegend geworfen wird. Waren die Kreiskys doch immer die wilden, wortgewandten Männer im Anzug, haben sich diese Adjektive nun verstärkt - wo am Debüt noch Versöhnung mit "Wo Woman ist, da ist auch Cry" oder "Hallelujah" angeboten wurde, ist die Band auf "Meine Schuld" nur noch in Angriffslaune. Sie fordern eine Aussprache, und das mit einer unverschämten Dringlichkeit und Direkheit.
Barbara Matthews, FM4
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Das Quartett Kreisky gilt schon ganz zu Recht als übellaunigste Band des Landes. Auf ihrem zweiten Album „Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld“ haben Sänger und Organist Franz Adrian Wenzl, Gitarrist Martin Max Offenhuber, Bassist Gregor Tischberger und Schlagzeuger Klaus Mitter die Lärmschraube noch ein ordentliches Alzerl fester gedreht oder, anders gesagt, bei ihrer Mischung aus Punk, Noise und Indierock diesmal einfach auf Letzteren verzichtet.
Sebastian Fasthuber, Falter
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Es wird gesudert im Land mit dem A, und das nicht zu knapp. Aber was hilft all das Jammern und Plärren schon? Dann doch lieber geifern, schreien, fauchen, Eifersucht, Neid und all den Schuldgefühlen freien Lauf lassen: "He, lachender Dritter, hör mir gut zu /Ich will, dass du meine Probleme kennst / ja, lachender Dritter, hör mir gut zu /Ich will, dass du meine Probleme hast." Das zweite Kreisky-Album ist schwer, und auch sein Titel wiegt schwer: "Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld". Da ist es wieder, dieses kollektive Schuldbewusstsein, die gemeinsam aufgeladene Sünde. Splitternde Gitarren, eine polternde Rhythmusfraktion, Franz Adrian Wenzls Gesang: ein Klotz von einem Album. Und was für einer. (8/10)
Christian Kisler, TBA
Im Unterschied zum unbetitelten Debüt-Album von Kreisky klingt das neue Werk deutlich professioneller, wuchtiger und roher. Dem Grundsatz, dass sie keine Genre-Band sein wollen, bleiben die vier Kreiskys weiterhin treu: Keine Anbiederung an formatradiotauglichen Deutsch-Rock, im Gegenteil, der Sound ist kantig und geprägt von schnellen Taktwechseln. [...] Eine gelungene Weiterentwicklung im Vergleich zur ersten Platte, die auch textlich formuliert ist: Hieß es beim Erstlingswerk noch: "Es gibt genug zu fürchten, 1000 Gründe Angst zu haben", geht es jetzt ums Eingemachte: "Ich habe Angst vor tiefen Gewässern, ich habe Angst alleine zu bleiben, ich habe Angst vor zu klugen Leuten und oft hab ich Angst, der Teufel zu sein."
Günter Felbermayer, Die Presse
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Ein fantastisches zweites Album [...] Mit ihrem titellosen Debüt etablierten sich Kreisky 2007 als begnadete Misanthropen, mit "Meine Schuld..." verschärft sich diese Tendenz: Unter schweren Gitarrenattacken formuliert Franz Adrian Wenzl eine radikalen, aber immer auch nachvollziehbaren Weltekel ("Wir brauchen nicht Freunde werden, bleiben wir Feinde") und findet auch im Zwischenmenschlichen stets die richtigen Worte: "Du wirst es nicht glauben, aber seit du fort bist, ist mein Asthma so gut wie verschwunden."
Sebastian Hofer, Profil
Mit ihrem zweiten Album schlagen Kreisky mit bitterbösen Texten, kombiniert mit explosivem Hardcore der österreichischen Gemütlichkeit ins Gesicht. Trotz des katholischen Albumtitels wird hier keine Absolution erteilt. Ganz im Gegenteil: kollektive Befindlichkeiten werden hier wütend seziert. Kreisky [...] stehen für eine Spielart des Hardcore, der auf Wurzeln wie den Minuteman, No Means No, die Washington DC-Schule oder SST verweist. Mit Austropop der alten Schule hat dies also so gut wie nichts zu tun. Außer, dass Kreisky auch auf Deutsch singen und damit beweisen, dass auch diese Sprache bestens für härtere Musik geeignet ist. Sänger Adrian Wenzel prangert gesellschaftliche Paradigmen wie Neid, Habgier und Oberflächlichkeit auf ironische Weise an. Über allem schwebt üble Laune, Themen wie Angst sowie scheinheiliger Katholizismus ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album. Produziert hat das Meisterwerk Naked Lunch-Bassist Herwig Zamernik.
city-flyer.at, 05/2009
Das gleichnamige Kreisky-Album kaufen Sie sich übrigens bitte jetzt gleich. Und das alte dazu. Und Sie schauen sich ein Konzert von den Burschen an. [...] Der Wenzl Franz ist definitiv State of the Pop-Art. Der Wenzl Franz hat das Talent, die Eier und den Stil. So muss das klingen, so muss das auschauen, so will man zum Lachen gebracht werden, so muss das im Bauch wirken und so im Kopf. So muss man das machen, genau so.
Doris Knecht, dorisknecht.com
Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld ist ein Lichtblick für Musikliebhaber wie –Kritiker und beweist, dass sich hier wohl eine der besten wenn nicht die beste Band Österreichs auf dem Vormarsch befindet.
Pascal Honisch, kurier.at
> gesamtes Interview
Mit ihrem neuen Output zeigen Kreisky einmal mehr, dass es letzten Endes oft nur weniger einfacher Mittel bedarf, um ein mitreißendes Album einzuspielen. Aus diesem Grund ist man der Band im gewissen Sinne auch zu Dank verpflichtet, liefert sie doch den Beweis, dass es auch hierzulande durchaus möglich ist, qualitativ hochwertige Rockmusik entstehen zu lassen.
mica.at, >gesamter Artikel
"Seit du fort bist, ist mein Asthma so gut wie verschwunden." Quengelkaiser Franz Adrian Wenzl und die derzeit beste heimische Band legen mit Songs wie dem zitierten "Asthma" im Vergleich zum titellosen Debütalbum noch drei Schaufeln schlechte Laune und Gehässigkeit nach. Die dunkle Seite der österreichischen Seele (ha, ha!), exekutiert mit hartem Riffrock zwischen Stooges, The Birthday Party und Grunge Rock, gebrochen durch Befindlichkeiten, von denen wir immer nichts wissen wollen. Ganz groß!
Christian Schachinger, derstandard.at
Und noch einmal Österreich, diesmal aus der Testosteron-Perspektive. Wenn larmoyantes Quengeln (Wann sind wir endlich daheeeiiim?!?) nahtlos in die Urschreitherapie übergeht, steckt zwangsläufig Kreisky dahinter. Das kommende Album, das am 27. März unter einem katholischen Scheusälchen von Titel erscheint, ist noch besser als sein Vorgänger geworden. Und enthält mit grindigen Szenarios wie dem von König und Königin von Bibione oder Grabinschriften für Beziehungen à la Seit du fort bist, ist mein Asthma so gut wie verschwunden einige echte Perlen.
Josefson, derstandard.at
Wie Katholiken ticken – Interview
> blog.beatboxx.at
Kawumms: auf die 12 und in den Magen! Musikalisch als auch textlich. In der ersten Platte hieß es: „Es gibt genug zu fürchten, 1000 Gründe Angst zu haben“ und diesmal konkretisiert Franz A. Wenzl: „Ich habe Angst vor tiefen Gewässern, ich habe Angst alleine zu bleiben, ich habe Angst vor zu klugen Leuten und oft hab ich Angst der Teufel zu sein“. Häufig bezieht sich diese Angst dabei auf gescheiterte Beziehungen: „Und du hast hundertmal gesagt, daß du ok bist und auch hundert mal, daß ich ok bin. Aber gemeint hast du, daß du so richtig ok bist und ich bin nur so halbwegs ok. (schreit:) OK!?“ Verkeilte Kommunikation verheizt Wenzl generell am liebsten. Das gilt auch für den alltäglichen Smalltalk der „lachenden Dritten“, die er zitiert als hätte er den Text genau so an irgendeiner Bar aufgeschnappt und schreit ihn zurück als wollte er die
Urheber mit ihren eigenen Worten totschlagen. Eine dieser Tiraden wird in eine Walzer-Ballade verpackt: „Wir brauchen uns nicht zu verstehen, wir können uns arrangieren, wir brauchen uns nicht zu versöhnen, wir können uns aneinander gewöhnen“. Allem gemeinsam ist die Enttäuschung über Beziehungen/Freundschaften, damit verbundenes Unverstanden-Fühlen, Scham/Schande und eben die „große Schuld“ die unleugbar im Raum steht wie ein Monolith und doch niemandem zugewiesen werden kann - aber
schreien kann man: „...und ich schrei sehr laut: AAAAH!“ Generell ist die Platte etwas verschrobener als das Erstlingswerk aber auch deutlich griffiger, konsequenter und sehr, sehr aufrichtig. Null % „Glitzerscheiß!“ Diese Platte wird auch in 50 Jahren noch großartig sein – es könnte aber bei manchen auch etwas länger dauern, bis sie angekommen ist. In jedem Fall sind Kreisky eine unglaublich clevere Schweinsrockbrigade aller erster Güteklasse. Hut ab!
Hubert Weinheimer, derbagger.org, März 2009
"Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld" klingt roher, lärmender und direkter als das Debüt aus 2007. Selbst sehen sich Kreisky als eine "sehr eckige Band", die ihre Themen aber nach wie vor "mit Pop-Mitteln" behandeln will: Die "urkatholischen" Konzepte wie Neid, Schuldgefühle und Eifersucht stehen im Mittelpunkt des neuen Albums – eine Auseinandersetzung mit der unmittelbaren und österreichischen Umgebung. Gemäß der Selbsteinschätzung bleiben Kreisky weiterhin eigenständig, herausfordernd und humorvoll – als "G'schissen, im besten Sinne".
Klaus Buchholz, the gap, März 2009